Island: Stresstest für Manager

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Statt gemütlich Cocktails zu schlürfen, kann man auch bei minus 18 Grad in Felsspalten schnorcheln, über rutschige Gletscher klettern und durch enge Lavahöhlen kriechen. Ängste und Blockaden lösen sich da wie von selbst. Island bietet den idealen Winter-Kurzurlaub für gestresste Manager.

Rejkjavik – Die meisten Island-Besucher lassen es entspannt angehen: sie bewundern die Schönheit der Wasserfälle und Geysire, beobachten Polarlichter und Wale oder tauchen ein in das hippe, quirlige Nachtleben von Rejkjavik.

Doch es geht auch anders: Zahlreiche Reiseveranstalter offerieren Naturerlebnisse und Abenteuertouren, die einen frontal mit seinen eigenen Ängsten, Blockaden und Phobien wie Platzangst, Panik oder Ekel konfrontieren.

Dazu bietet Islands wildromantische, raue Natur reichlich Gelegenheiten – besonders im Winter – und belohnt die Mutigen mit stärkerem Selbstbewusstsein und unvergesslichen Naturerlebnissen. Wer noch Argumentationshilfen für den kurzfristig eingereichten Urlaub braucht: Wir haben die Manager-Benefits für die einzelnen Stationen angegeben.

Schnorcheln in der Silfraspalte zwischen den Kontinenten

Minus 18 Grad Celsius Außentemperatur: Scheinbar ideale Voraussetzungen für einen Tauchgang in der Silfraspalte im Pingvellir-Nationalpark. Die Spalte zwischen den tektonischen Platten Europas und Nordamerikas gehört wegen seiner einzigartigen Farbwelt unter Wasser zu den originellsten Tauch- und Schnorchelrevieren weltweit.

Silfra

Der Thermo-Strampelanzug hält warm, doch schon der Trockenanzug aus Gummi schnürt einem die Luft am Hals ab. Alles muss wasserdicht sein, bevor man sich in die eisige Felsspalte sinken lässt. Erstes Unwohlsein kommt auf. Grund genug für einige Expeditionsteilnehmer, sich wieder aus dem Anzug zu pellen und im Superjeep zu verstecken.

Wie Astronauten auf dem Mond marschiert der Rest der Gruppe vom Wagen zur Einstiegsstelle. Flossen voran hüpfen die Wagemutigen ins zwei Grad kalte Wasser. Unter Wasser dann ein leuchtendes Blau, 30 Meter tief kann man sehen und 100 Meter weit. Doch beim Ausstieg frieren die Handschuhe sofort am Metallgeländer fest. “Vielleicht bieten wir die Tour doch nur im Sommer an”, formuliert der Tourleiter seine neu gewonnene Erkenntnis.

Benefit: Klaustrophobie überwinden, Extreme aushalten

Kriechen in der dunklen, engen Blafjöll-Lavahöhle

Auf einem Geröllfeld voller schwarzer Lavafelsen zu Füssen der Blauen Berge, des Blafjöll-Gebirges, öffnet sich ein unscheinbares Erdloch. Über Schutt und Steine, Eis und Schnee klettert man wie Gollum auf Knien durch einen schmalen Schlitz in die Unterwelt.

Der Erdspalt weitet sich und man steht in einer unterirdischen Höhle, die einst von träge dahinwälzenden Lavamassen geformt wurde. Ein faszinierendes Muster aus so genannten “lava tits” und gigantischen Eiszapfen fällt in den Lichtschein der Helmkamera, man kann sogar aufrecht stehen.

Bis zur nächsten Herausforderung: Um nach dem kurzen unterirdischen Rundgang wieder ans Tageslicht zu gelangen, muss man noch weitere Schlitze und Spalten durchklettern, mal bäuchlings, mal auf allen Vieren. Manche Reiseteilnehmer lassen sich zur Ablenkung Witze erzählen, am besten, man schaltet sein Gehirn komplett ab, um nicht klaustrophobisch zu werden.

Wenn einer aus der Gruppe jetzt in Panik verfallen würde, wäre der Ausstieg für die ganze Gruppe blockiert. “Das war ja, als ob man sich durch einen Geburtskanal pressen muss”, kommentiert ein Expeditionsteilnehmer diese Grenzerfahrung.

Benefit: Panik überwinden, Nerven behalten

Gulfoss-Wasserfälle und Schwarzer Strand Reynirsandur

Der Gulfoss ist der bekannteste und wohl auch schönste Wasserfall auf Island. Er besteht eigentlich aus gleich zwei Wasserfällen, der obere 14 Meter, der untere 18 Meter hoch, die im rechten Winkel zueinander stehen. Der Fluss Hvitá hat hier eine faszinierende, bis zu 70 Meter tiefe Schlucht in die Felsen gewaschen, vor der man wie ein Kleinkind steht und neue Demut vor den Kräften der Natur empfindet.

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Auch der Schwarze Strand “Reynirsandur” in der Nähe des kleinen Fischerdorfes Vik gibt einem das Gefühl, man habe den heimischen Erdplaneten verlassen. Bizarre Lavafelsen sind den schwarzen Sandstränden vorgelagert und formen eine düstere Fantasy-Landschaft.

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Benefit: Das große Ganze im Blick behalten, Demut angesichts der Naturschönheiten

Geysire und Polarlichter

Steht man vor dem blubbernden Loch des Geysirs im geothermalen Gebiet von Haukedalur, der allen anderen heißen Fontänen seinen Namen gab, kommt man nicht umhin, intensive Glücksgefühle zu empfinden angesichts der bis zu 120 Grad heißen Wasserfontäne, die alle zehn Minuten in den Himmel über Island schießt.

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Auch die gespenstischen Polarlichter lassen selbst die abgebrühtesten Zeitgenossen wieder staunen wie Kinder. Besonders erfolgversprechend für die Sichtung von Polarlichtern ist die südliche Küstenregion, wo sich auch das Hotel Ranga befindet. Das “Sunday Times Travel Magazine” bezeichnete das 4-Sterne Luxus-Resort als “einen der besten Plätze auf der gesamten Welt, um Polarlichter zu sehen”.

Nordlichter

Dies erklärt, warum in der Lobby des kleinen, feinen Landhotels oft japanische Touristen in kompletter Wintermontur sitzen, das Kamerastativ fest in der Hand, um sofort nach draußen zu eilen, wenn sich die Aurora Borealis über dem Hotel zeigt. Das Hotel bietet zudem allen Gästen einen Weckdienst an, sollten die faszinierenden Lichtspiele sich mitten in der Nacht zeigen.

Benefit: Zeitlich flexibel reagieren, staunen lernen wie ein Kind

Gammelrochen und gebratene Papageientaucher

Wer auch kulinarisch Grenzen überwinden will, sollte sich um eine Einladung zum Gammelrochen-Essen bemühen. Dieses überaus geruchsintensive, typisch isländische Gericht der Winterzeit sorgt zwar wegen seines Gestanks regelmäßig für Familienkrach, dennoch schwören die Isländer auf diese abstoßende Mahlzeit namens “Kæst skata”.

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Als Frischfisch ist der Rochen hochgiftig, da er seine Harnstoffe nicht ausscheidet, sondern im Körper sammelt. Nach ein paar Wochen Fermentation ist der Fisch … genießbar? Nicht wirklich.

Eine andere Herausforderung stellt der Genuss von Papageientauchern dar. Hier gilt es vor allem, den Niedlichkeitsfaktor zu ignorieren. Diese putzigen schwarzen Gesellen mit den bunten Clowsgesichtern, die aussehen wie eine Mischung aus Pinguin und Papagei haben leider das Pech, dass ihr Fleisch wie Ente schmeckt.

Benefit: Ekel überwinden, Neues kennenlernen, bei Bedarf Härte zeigen

Gletscher-Wanderung auf dem Solheimajökull

Majestätisch fließt die Gletscherzunge des Sólheimajökull-Gletschers östlich von Skógar auf einer Länge von 14 Kilometern die Berghänge hinunter. Es ist ein Outletgletscher des Mýrdalsjökulls, unter dessen Eis der berüchtigte Vulkan Katla schlummert.

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Mit Steigeisen an den Stiefeln, Helm und Eisaxt ausgerüstet setzt sich die Truppe im Watschelgang in Bewegung. Immer dicht am Guide bleiben, kein Schritt vom Weg ab, denn immer wieder öffnen sich zugeschneite Spalten, Schlitze und Löcher, von denen kein Mensch weiß, wie tief sie gehen. “Wenn euch euer Handy oder etwas anderes herunterfällt, jagt nicht sofort hinterher, sondern wartet, bis das Teil nicht mehr weiterrutscht und zum Liegen kommt”, mahnt Guide Gaddi von “Arktische Abenteuer”. “Und wer seine Eisaxt dem eigenen Körper zugewandt vor sich herträgt, der bekommt eine ernste Verwarnung!”

Benefit: Lernen, sich auf Gruppen zu verlassen, Auf Führung vertrauen

Beauty Treatment in der Blue Lagoon

Für dieses Wellness-Highlight unterbrechen Reisende sogar ihren Flug von und nach New York oder Boston. Die“Blue Lagoon” in der Nähe von Grindavik empfängt die Besucher mit milchig-blauem, 35 Grad warmem Wasser, das einen hohen Anteil an Kieselsäure aufweist und nachweislich zur Linderung diverser Hautprobleme beiträgt.

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Soleschwaden ziehen über die Lavasenke, die zu zwei Dritteln mit Salzwasser und einem Drittel mit Süßwasser gefüllt ist. Neben frischen Fruchtsaftcocktails kredenzen Kosmetikerinnen im weitläufigen Becken drei verschiedene Beautypackungen für die Haut: Algen, Silicia, und Mineralien, die jeweils für 5-15 Minuten auf der Gesichthaut verbleiben und die durch das Becken paddelnden Badegäste aussehen lassen wie Pantomimen.

Benefit: Mut zur Maskerade, Regeneration der eigenen Kräfte

Farm-Hotel Efstidalur in Laugarvatn

Was macht einer junger isländischer Bauer wie Snæbjörn, der einen Hof erbt und genau weiß, dass die Landwirtschaft sich in dieser Ecke der Insel nicht lohnen wird? Er baut Fenster in den Kuhstall ein und vermarktet das Ganze als Tourismus-Destination, da sich der Hof glücklicherweise in der touristisch attraktiven Region des Goldenen Kreises befindet.

Wer im Café des malerischen Bauernhofs Rast macht, hat einen unverfälschten Blick auf das Leben der Kühe und Kälber. Durch eine Fensterscheibe sieht man vom Café und Restaurant aus, wie sich die niedlichen Kälbchen ins saubere Stroh kuscheln.

Das Farm-Hotel ist auch bekannt für seine Eiscreme aus eigener Produktion. Ob einem die köstliche und reichhaltige Rindersuppe dann aber auch noch schmeckt, ist abhängig von der Kunst, einen Zusammenhang zwischen der Tieridylle hinter dem Schaufenster und der Speisekarte des Hauses herzustellen.

Benefit: Neue Geschäftsideen kennen lernen

Erschienen auf manager magazin online, 07.02.2014:
http://www.manager-magazin.de/lifestyle/reise/reisebericht-island-kurzurlaub-fuer-gestresste-manager-a-951831.html

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