Jordanien: Abseits der ausgetretenen Pfade

Jorda Best 3-11

Totes Meer, Wadi Rum, Petra: Jordanien ist ein Klassiker für Bildungs- und Bibelreisende. Nun entstehen immer mehr ungewöhnliche neue innovative Angebote abseits der bekannten Attraktionen.

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Sechs frische Impulse für den jordanischen Fremdenverkehr: versteckte Privatrestaurants, heiße Wasserfälle unter dem Meeresspiegel, intime Kochkurse, hippe Mode und nachhaltige Umweltprojekte wie das Wüstencamp Feynan ecolodge.

Die Maschine der Royal Jordanian von Berlin-Tegel nach Amman ist erstaunlich gut gefüllt. Die Befürchtung des Jordan Tourism Board scheint sich nicht zu erfüllen, dass sich die deutschen Kulturreisenden von den Konflikten im Nahen Osten abschrecken lassen und fernbleiben. Schließlich ist das Land stark in den blutigen Kampf seiner Nachbarn Israel und den palästinensischen Gebieten involviert, und aus dem Irak und Syrien strömen Hunderttausende Vertriebene auf der Flucht vor der IS ins Land. Man bemüht sich vonseiten der jordanischen Tourismusbehörde, den Eindruck von „business as usual“ zu vermitteln, und in der Tat sind die Gebiete mit den meistbesuchten Attraktionen wie Aquaba, Wadi Rum, Petra und das Tote Meer sicher.  Auch im Flieger aus Berlin saßen keine kinnbärtigen Dschihadisten, sondern eine große Gruppe Studiosus-Reisender.

An vielen Stellen trauen sich Privatleute und auch das jordanische Fremdenverkehrsamt, mit innovativen Ideen neue Wege im Tourismus einzuschlagen.
Beispiele:

  • Die heißen Quellen und Wasserfälle in Ma´In
  • Das in Madaba versteckt gelegene Privatrestaurant des christlichen Ehepaares Sitti, das „Food Basket“
  • Die arabischen Kochkurse im „Petra´s Kitchen“ in Wadi Musa
  • Das nachhaltige Umweltprojekt und hippe Café „Wild Jordan“ in Amman
  • Die „Feynan ecolodge“
  • Die hippe Mode des Designerkollektivs „Yo Bedu“ in Ammans Trendviertel Al Weibdeh.

Heiße Wasserfälle unter dem Meeresspiegel: Hammamat Ma´In (Hot Springs)

Eine gewundene Serpentinenstrasse führt von der Mosaikstadt Madaba im Nordwesten Jordaniens in die schroffen, ausgedörrten Gebirgszüge an den Ufern des Toten Meeres. Wir befinden uns 264 Meter unter dem Meeresspiegel. Plötzlich ist die Strasse gesäumt von üppigen Bananenstauden, die Luft ist schwül. An Ende der Schlucht verbirgt sich wohl eine der spektakulärsten Wüstenoasen der Welt: Hammamat Ma´in. In einem dreieckigen Ausschnitt am Horizont der Schlucht glitzert die Wasserfläche des Toten Meeres im Sonnenschein, auf einem Hügel weit hinter dem See erahnt man die Skyline von Jerusalem. Biblischer Boden: hier soll einst eine Villa von König Herodes gestanden haben, hier sollen Salome getanzt und Johannes der Täufer, geköpft worden sein. Rechts liegen irgendwo hinter dem Gebirgszug verborgen Bethlehem und Bethanien, die Taufstätte Jesu. Doch der Grund des Aufenthaltes in dieser Oase ist ein anderer, weitaus profanerer als der Bibeltourismus: Auf den felsigen Hügeln ringsum sammeln sich diverse, aus heißen Quellen gespeiste Rinnsale, die sich zu breiten, kräftigen Wasserfällen vereinen. Diese Wasserfälle, die ihren Ursprung dem im Winter auf den Hochlandebenen niedergehenden Regen verdanken, speisen die 109 heißen und kalten Quellen im Tal. Feine Haarrisse im unterirdischen Lavagestein lassen die Erdwärme austreten, die das Wasser auf 63 Grad Celsius erhitzt, während es sich seinen Weg durch das Tal zum Fluss Zarqa bahnt.

Glücklich ist, wer Gast ist im „Evason Ma´In Hot Springs“. Das Hotel unterhält nämlich in diesem Talkessel unmittelbar an den Wasserfällen und Thermalquellen ein „Six Senses Spa“. Hier trifft die Heilkraft des Toten Meeres auf die Eleganz eines modernen Spas. Das über 40 Grad warme, mineralhaltige Wasser ergießt sich heiß dampfend direkt in den Pool des Wellnessbereichs. In der steinernen Naturhöhlensauna hinter dem Wasserfall oder im Hammam genießt man die volle Heilkraft der Mineralien des nahen Toten Meeres. Im 1.200 Quadratmeter großen Spabereich bieten die beiden thailändischen Expertinnen Kanchana und Uraiwan aber auch eine vierhändige Signature Massage, Fußbäder, Schlammpackungen oder Unterwassermassagen.
Kontakt: PO Box 801, Madaba, Tel.: +962 6 581 7938
http://www.mainhotsprings.com

Privatrestaurant in Madaba: „Food Basket“, Hikayet Sitti

In Madaba, der „Mosaikstadt“ in der Nähe des Mount Nebo, wo Moses erstmals auf Kanaan schaute, liegt das “Food Basket”, ein gut in einer Seitenstrasse verstecktes privates Restaurant, das vom christlichen Ehepaar Hikayet Sitti und seiner Frau betrieben wird. In einem alten renovierten Stadthaus wird das serviert, was die arabischen Nachbarinnen liebevoll gekocht haben.
Tel. zur Reservierung, genaue Adresse wird dann bekannt gegeben: +962 7 9591 0188

Private Kochkurse: The Petra Kitchen, Petra/ Wadi Musa

Täglich strömen Zehntausende von Besuchern durch das kleine Städtchen Wadi Musa, das direkt am Eingang der nabatäischen Felsenstadt Petra liegt.

Normalerweise essen die Touristen in ihren Hotels. Doch dann hatten eine handvoll einheimischer Männer und Frauen die Idee, die Reisenden aus ihren Hotels herauszuholen und sie zum Kochen zu bringen. Unter fachkundiger Anleitung lernen die Hobbyköche, wie man die Klassiker der arabischen Küche zubereitet: Linsensuppe, Baba Ganoush, Fatoush, Humus und andere Köstlichkeiten. Nach dem Schnippeln werden die selbst zubereiteten Speisen an einer festlich gedeckten Tafel serviert und probiert. Und wenn die Gerichte fertig sind, ist man überrascht, wie gut das schmeckt, das man selbst zubereitet hat.
„It was a blast“, meinte ein amerikanischer Teilnehmer des Kochkurses am Ende des Abends.
The Petra Kitchen
P O Box 40-Petra, Jordanien 71810
Tel/fax (962) 3-215-5900 Mobil: +962 798888388
info@petrakitchen.com
www.petrakitchen.com

Feynan ecolodge: Karawanserei im Kerzenschein

Im Herzen der Wüste des Dana Biosphären-Reservats bei Petra, im Wadi Feynan, liegt die Feynan Ecolodge, ein gemeinsames Projekt der jordanischen „Royal Society for the Conservation of Nature“ und EcoHotels. Hier kann man die Faszination der Wüste auf nachhaltige Weise erleben, den unfassbar klaren Sternenhimmel geniessen, mit Beduinen Kaffee trinken oder sogar mit einem Ziegenhirten durch das Wadi ziehen.
2005 wurde das einer alten Karawanserei nachempfundene, ökologisch bewirtschaftete Wüstencamp gebaut. Die 26 Lodges werden nur mit Solarstrom versorgt, für die Beleuchtung sorgt abends nur ein Meer von Kerzen. Auch die Beduinenstämme der Region sind nach den Leitsätzen des Ökotourismus in das Projekt eingebunden. Das Personal besteht vollständig aus Einheimischen aus den benachbarten Siedlungen. Sie arbeiten als Chauffeur, Koch, Manager und Guides.

Das „National Geographic Traveler Magazine“ wählte Feynan zu „One of the best 25 ecolodges in the world“. Und die „Trip Advisor’s Hall of Fame“ hat der der Ecolodge im fünften Jahr in Folge das „Certificate of Excellence“ verliehen.

Was kann man unternehmen:

  • Wanderungen in den Sonnenuntergang (Keine Autos)
  • Abendessen bei Kerzenlicht
  • Beobachtung des extrem klaren Sternenhimmels (Teleskop)
  • Canyoning, Mountain Biking
  • „Day with a shepherd”: Tageswanderung mit einem Ziegenhirten und seiner Herde.
  • The Bedouin Experience: Teppiche weben aus Ziegenhaar, Kaffeezeremonie, Kohl/ Khajal-Herstellung, Brotbacken usw.
  • Kochklassen Arabisches Essen
  • Meeting/ Workshops

Umweltschutz: Ein Großteil der Einnahmen wird für den Erhalt und Schutz der Tier- und Pflanzenwelt im Dana Biosphären-Reservat verwendet.

LOKALER SOZIO-ÖKONOMISCHER NUTZEN
Arbeitsplätze und Einkommen für die rund 80 Beduinenfamilien der Region (400 Menschen): Das gesamte Personal (26 Festangestellte) besteht aus Beduinen. Sie kümmern sich um Housekeeping und Management. Um überhaupt in die Wüsten-Lodge zu gelangen, muss man sein eigenes Fahrzeug am Rand des Wadis stehenlassen und in die Autos der Beduinen umsteigen. 45 Fahrer werden so beschäftigt.

17 Familien kümmern sich um Aktivitäten und Freizeitangebot wie Khajal (Kohl)-Herstellung (Make up Workshop), das Weben von Teppichen aus Ziegenhaar, die Kerzen- und Lederproduktion oder die Zubereitung Arabischen Kaffees. Um Khalid, die Bäckerin, liefert dreimal täglich frisches, selbstgebackenes Arbood-Brot für die Lodge. Mehr als die Hälfte der Einnahmen bleiben in den Taschen der Beduinen-Gemeinden.

MINIMALER ÖKOLOGISCHER FUSSABDRUCK
– Die gesamte Feynan Ecolodge verbraucht weniger Elektrizität als eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Jordaniens Hauptstadt Amman. Solar-Strom wird nur in den Badezimmern, Büros, in der Küche und im Konferenz-Zentrum verbraucht. Für die Zimmer und die Außenbereiche der Lodge reichen von den Beduinen hergestellte Kerzen – und der klare Sternenhimmel.

  • Gekocht und geheizt wird mit Pellets, die aus den Abfallprodukten der Olivenölgewinnung (Ölkuchen) hergestellt sind, statt mit rarem, wertvollen Holz.
  • Müll wird recycelt, 60 Prozent weniger landen auf der Müllhalde.
  • Essensreste werden kompostiert und als Dünger verwendet.
  • Wasser zum Duschen und Waschen wird aus natürlichen Quellen gewonnen und mit Solarkraft erhitzt.
  • Durch die Verwendung von wiederverwendbaren Tonflaschen, die von Beduinenfrauen getöpfert werden wird der Verbrauch von Plastikflaschen jährlich um 10.000 pro Jahr reduziert. Dazu kommen noch wiederverwendbare Plastikflaschen für Wanderungen, die noch einmal 5.000 Flaschen einsparen helfen

Feynan Ecolodge: http://www.ecohotels.me/feynan
Kontakt EcoHotels: Tel: +962 6 464 5580, email: info@feynan.com

WILD JORDAN CENTER & CAFÈ, Amman

Wer nach der Einsamkeit und Stille in der Wüste wieder hippes Großstadtleben braucht, kann auch dies auf nachhaltige Weise tun: Neben dem Dana Biosphären-Reservat mit der „Feynan Ecolodge“ betreibt die Royal Society for the Conservation of Nature in Amman ein Besucherzentrum und Café in avantgardistischer Architektur: WILD JORDAN CENTER & CAFÈ. Der Blick hinunter auf Ammans Altstadt und die Zitadelle sind atemberaubend. Dort werden nur Produkte aus nachhaltiger ökologischer Herstellung aus allen Schutzgebieten und Ökotourismusprojekten des Landes verwendet, im Center kann man sich über die Arbeit der Royal Society, das Dana-Biosphären-Reservat und das Projekt WILD JORDAN informieren und die Produkte käuflich erwerben.
WILD JORDAN CENTER: Tel.:  ++962 6 4633542, Mobil:  ++962 797000218
Email:
  wildjordan@atico-jo.com
http://wildjordancenter.com
Directions:
Jabal Amman, 1st circle, Othman Bin Afan Street


JO BEDU, Amman: Arabiens Coolste Crowd
Ein junges Graphik- und Mode-Designer-Kollektiv aus der jordanischen Hauptstadt Amman ist gerade dabei, die erste coole, hippe arabische (Jugend)-Modemarke aufzubauen und damit die junge Mode und Popkultur im Nahen Osten zu revolutionieren: JO BEDU (jordanian bedouins) sind mit lustigen Ad-Busting-Motiven, einem wilden Mix aus westlichen und arabischen Popkultur-Motiven und arabischem Slang auf Erfolgskurs – Ihre T-Shirts, Hoodies und Poster werden bald nicht nur auf den Straßen Ammans, Dubais oder Kairos zu sehen sein, sondern auch in Berlin, London oder NYC

Schon 2007 waren es die beiden Highschool-Freunde Tamer Al Masri und Michael “Meesh” Makdah leid, dass der Nahe Osten immer nur mit immer wieder neuen, hoffnungslosen Schreckensnachrichten in Verbindung gebracht wurde. Sie wollten eine arabische (Mode)Marke kreieren, auf die junge Araber stolz sein können – und die sie leidenschaftlich gerne tragen. Sie gestalteten sechs verschiedene T-Shirt-Motive und stellten sich damit auf den Freitagsmarkt in Ammans hippem Stadtteil Jabal Weibdeh (Al Iwebdeh). Die 600 Shirts wurden ihnen aus den Händen gerissen. Ein Jahr später hatten sie zwei coole Graphikdesigner engagiert und kamen mit 12 weiteren Motiven zurück. Die Begeisterung war noch größer als beim ersten Mal.

Ein Jahr später eröffneten sie ihre ersten beiden Stores in Amman und formten eine ganzes Kollektiv an Designern, Illustratoren und Künstlern, die ihnen neue Entwürfe lieferten, jeder und jede in seinem/ ihrem ganz eigenen persönlichen Style. Potentielle Kunden konnten online abstimmen, welche Motive als nächstes die T-Shirts, Hoodies und Poster zieren sollten. Das Ergebnis: „Crowdsourced Arab Awesomeness“.

Sieben Jahre später schreibt JOBEDU eine beispiellose Erfolgsgeschichte: die Marke ist Kult. JOBEDU ist mittlerweile weit mehr als eine kleine Firma, die T-Shirts bedruckt. Sie ist eine der einflussreichsten Plattformen junger arabischer Popkultur überhaupt.

Man sah JOBEDU T-Shirts massenhaft auf dem Tahirplatz in Kairo ebenso wie in der arabischen Casting-TV-Show „Arab´s got talent“. Auch Jordaniens Pophoffnung Aya Marar trug die JOBEDU-Shirts während ihrer Konzerte in England. Die mittlerweile 115 verschiedenen Shirt-Motive von 30 verschiedenen Designern werden seit 2013 sogar in den großen Virgin-Megastores in den VAE, Saudi-Arabien, Katar und Bahrain sowie in einzelnen Shops in Maskat/ Oman und Kuwait City verkauft. Mittlerweile gibt es die funky Motive auch auf Laptop- und ipad-Hüllen, Stickern, Decken und Kissen.
(Der Internet-Store unter www.jo-bedu.com liefert natürlich weltweit).
Adresse: Complex No 5، Al Nayrouz St 5، Jordan، Amman 11191, Jordanien
Telefon: +962 6 593 3595
Öffnungszeiten: 10:00–22:00

 

 

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